Was Sie über ETFs wissen sollten

Über 8 Millionen US-Dollar verwaltetes Vermögen, mehr als 25 Prozent des amerikanischen Fondsbestandes und rund 15 Prozent des deutschen: ETFs sind voll im Trend. Befeuert wird der Hype durch die Medien – mit Headlines wie „unschlagbar günstig“, „einfach und günstig in ETFs investieren“ oder „die Lieblingsanlage der Deutschen“. Immer mehr Menschen hierzulande folgen diesen Lockrufen und investieren ihr Geld in ETFs.

Aber kann diese Form der Geldanlage langfristig wirklich halten, was so vollmundig von allen Seiten versprochen wird?

Lassen Sie uns das Thema ETFS einmal genauer betrachten und mit einer ganz grundsätzlichen Frage beginnen.

Was ist ein ETF eigentlich?

Hinter der Abkürzung ETF verbirgt sich der Begriff Exchange Traded Funds. ETFs sind an der Börse notierte Investmentprodukte, die dort ähnlich wie Aktien gehandelt werden.

Entscheidend ist: Bei ETFs handelt es sich um passiv gemanagte Investmentfonds. Sie bilden im Gegensatz zu den aktiv gemanagten Fonds einfach einen bestimmten Börsenindex und seine Wertentwicklung ab. Aktiv gemanagte Investmentfonds hingegen bündeln eine Auswahl an Aktien, die Fondsmanager nach ganz bestimmten Kriterien zusammenstellen.

Zu den größten ETFs gehören diejenigen, die Hauptindizes wie S&P 500, Dow Jones, EuroStoxx 50 oder den DAX nachbilden. In der Nachahmung dieser großen Indizes sehen Befürworter einen der größten Vorteile dieser Anlageform.

ETFs haben eine bessere Wertentwicklung

Experten und Medienschaffende argumentieren, dass ETFs eine bessere Wertentwicklung vorweisen als 95 Prozent aller aktiv gemanagten Investmentfonds im vergleichbaren Anlagesegment. Das trifft sicherlich zu – besonders für die Jahre 2009 bis 2019, als die Börse boomte. Ganz bestimmt ist es auch richtig, wenn Sie sich nicht auf die besten 5 Prozent an aktiv gemanagten Fonds konzentrieren.

Mit den entscheidenden 5 Prozent an aktiv gemanagten Fonds – übrigens immer noch rund 500 Fonds – wird allerdings kein ETF mithalten können. Die Wertentwicklung dieser Fonds liegt deutlich über dem Durchschnitt seines Indizes.

Die Kosten von ETFs sind ein weiterer Vorteil, denn viele ins Rennen bringen.

ETFs sind unschlagbar günstig

Richtig: ETFs sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Der Ausgabeaufschlag fällt weg und die Verwaltungskosten liegen bei 0,2 bis 0,5 Prozent des Fondswertes pro Jahr. Für aktiv gemanagte Fonds zahlen Sie sowohl einen Ausgabeaufschlag als auch jährlich 1 bis 2,5 Prozent an Verwaltungskosten.

Aber haben Sie bitte im Blick: Für ETFs gibt es Kauf- und Verkaufskosten von bis zu 0,5 Prozent des Fondswertes. Es kann also teuer werden, wenn Sie häufig an- und verkaufen.

Einer der großen Vorteile von ETFs könnte sich zum schwerwiegendsten Nachteil entwickeln.

ETFs bieten eine große Flexibilität

Da ETFs wie Aktien an der Börse gehandelt werden, können Sie ETFs tagtäglich und zu jeder Zeit, solange der Handel offen ist, verkaufen. Diese hohe Flexibilität bieten Ihnen aktiv gemanagte Fonds nicht. Diese kaufen Sie über eine Fondsgesellschaft und nicht über die Börse.

Dass ETFs so flexibel gekauft und verkauft werden können, führt leider auch dazu, dass die durchschnittliche Haltedauer von ETF-Anteilen eher gering ist. Bei dem größten amerikanischen ETF auf den S&P 500 liegt sie gerade einmal 15 Tagen. Das Risiko einer Kettenreaktion ist damit sehr hoch und ETFs bei weitem nicht so sicher, wie viele glauben.

Wie sicher sind ETFs wirklich?

ETFs, die in Europa zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind, gelten als Sondervermögen. Sie sind damit abgesichert gegen Veruntreuung sowie Konkurse der Depotbanken oder Fondsgesellschaften. Allerdings sind Sie nicht geschützt gegen den Wertverlust der enthaltenen Wertpapiere.

Das heißt: Auch mit ETFs sollten Sie sich sehr genau beschäftigen und wissen, welche Wertpapiere sie enthalten.

Befürworter sagen Ihnen zum Beispiel, dass ETFs durch ihre hohe Streuung eine große Sicherheit bieten. Wirklich? Investieren Sie in einen DAX-ETF, sind Sie gerade einmal an den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften beteiligt. Das ist keine besonders hohe Streuung, oder?

Investieren Sie hingegen in den S&P 500, sind Sie zwar an den größten 500 amerikanischen Unternehmen beteiligt. Tatsächlich ist es aber so, dass die sogenannten FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) überproportional im Gesamtindex verteten sind und zwei Drittel der Wertentwicklung der letzten zehn Jahre ausmachen. Was ist daran so schlimm, mögen Sie jetzt denken.

Ganz einfach: Je mehr Kapital durch ETFs in diesen Index fließt, desto höher steigen die Kurse dieser sechs Aktien und damit auch der Kurs des S&P 500. Eine Situation, in der viele Anlegerinnen und Anleger die Nerven verlieren und vorschnell verkaufen könnten.

Mein Fazit: ETFs ahmen einen Börsenindex nach und bieten Ihnen als Anlegerin oder Anleger den Durchschnitt eines Marktes. Ist es wirklich das, was Sie wollen?

Ich denke, es würde sich weitaus mehr lohnen, Zeit in die Auswahl von zwei, drei guten Investmentfonds zu investieren und damit langfristig über dem Durchschnitt zu liegen.

Für weitere Rückfragen steht Ihnen mein Team gerne unter Phone +49 (0) 2202-96696-0 zur Verfügung.

Herzlichst
Bernd Reintgen

PS:
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Über Bernd Reintgen

Er ist der Kopf des Privat-Institut für Finanzen Rl GmbH. Seine Leidenschaft gilt seit 35 Jahren dem Thema „Investments“. Er ist ein gefragter Referent und Finanzcoach und Co-Autor des Nr.1 Bestsellers „Wohlstand ohne Stress“. Seine wichtigste Botschaft: Geld, gewinnbringend, ausgewogen und stressfrei Geld anzulegen und für sich arbeiten zu lassen, ist “kinderleicht”, wenn man die wichtigste Regeln kennt.